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"Seit Wochen durchkämmten wir das Hügelland auf der Suche nach einer Hand voll Ketzern, die hier ihr Unwesen treiben sollten, als wir endlich eine dünne Rauchfahne aus einer Ruine aufsteigen sahen. Wir hatten sie fast erreicht, da kam uns ein einziger Mann entgegen. Er saß auf einem schneeweißen Pferd und trug den scharlachroten Umhang der Götzenanbeter. Er hielt ein Schwert von schwarzem Eisen in seiner Rechten. Seine Linke aber fasste nicht die Zügel, sondern umklammerte eine kleine hölzerne Schatulle. Wo sein linkes Auge hätte sein sollen, klaffte eine entsetzliche Narbe. Wir kreisten ihn ein, er ließ es geschehen. Ich forderte ihn auf, seine Waffen zu strecken und Herrik holte die eiseren Fesseln aus seiner Satteltasche. Da aber riss der Fremde den Kopf in den Nacken, seine Augen verdr

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  • Der rote Hexer
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  • "Seit Wochen durchkämmten wir das Hügelland auf der Suche nach einer Hand voll Ketzern, die hier ihr Unwesen treiben sollten, als wir endlich eine dünne Rauchfahne aus einer Ruine aufsteigen sahen. Wir hatten sie fast erreicht, da kam uns ein einziger Mann entgegen. Er saß auf einem schneeweißen Pferd und trug den scharlachroten Umhang der Götzenanbeter. Er hielt ein Schwert von schwarzem Eisen in seiner Rechten. Seine Linke aber fasste nicht die Zügel, sondern umklammerte eine kleine hölzerne Schatulle. Wo sein linkes Auge hätte sein sollen, klaffte eine entsetzliche Narbe. Wir kreisten ihn ein, er ließ es geschehen. Ich forderte ihn auf, seine Waffen zu strecken und Herrik holte die eiseren Fesseln aus seiner Satteltasche. Da aber riss der Fremde den Kopf in den Nacken, seine Augen verdr
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  • "Seit Wochen durchkämmten wir das Hügelland auf der Suche nach einer Hand voll Ketzern, die hier ihr Unwesen treiben sollten, als wir endlich eine dünne Rauchfahne aus einer Ruine aufsteigen sahen. Wir hatten sie fast erreicht, da kam uns ein einziger Mann entgegen. Er saß auf einem schneeweißen Pferd und trug den scharlachroten Umhang der Götzenanbeter. Er hielt ein Schwert von schwarzem Eisen in seiner Rechten. Seine Linke aber fasste nicht die Zügel, sondern umklammerte eine kleine hölzerne Schatulle. Wo sein linkes Auge hätte sein sollen, klaffte eine entsetzliche Narbe. Wir kreisten ihn ein, er ließ es geschehen. Ich forderte ihn auf, seine Waffen zu strecken und Herrik holte die eiseren Fesseln aus seiner Satteltasche. Da aber riss der Fremde den Kopf in den Nacken, seine Augen verdrehten sich und er begann, namenlose Beschwörungen und Zaubersprüche zu murmeln. Eine schwarze, zähe Flüssigkeit troff sodann aus der Schatulle, und im selben Maße mussten sich meine Männer erbrechen, ihnen rann ihr eigen Blut aus dem Leib und sie fielen in stummem Tod zu Boden. Allein ich, in Gedanken fest bei Chronos und mein heilig' Amulett umklammernd, widerstand dem Zauber. In verzweifeltem Zorn sprengte ich die letzten Meter an ihn heran, um dem Daimon den Kopf abzuhauen, da stieß er mir schneller als eine Schlange seine Klinge in den Leib, obwohl er doch gen Himmel blickte und mich nicht sehen konnte. Wie ich entkommen bin, weiß der Herr allein, mein Pferd muss mich jedenfalls davongetragen haben, denn ich erwachte Tage später in einem Bauernhaus. Bis heute befallen mich bisweilen gräßliche Schmerzen an der Wunde in meiner Seite, es ist als stecke das daimonische Schwert noch darin. Bei Chronos, ich werde den Teufel finden und ihn seiner gerechten Strafe zuführen!" — Arsir von Finsterbruch, Hoher Ritter des Orden vom Auge Chronos "Es ist wohl mehr als zwei Jahre her, dass ich zum ersten mal in Schwarzenbrück war. Ich reiste inkognito, als einfacher Mönch verkleidet, in das Kloster, um dort seltsamen Gerüchten über die Klosterbewohner nachzugehen. Die Mönche waren aber überaus freundlich und obwohl ich ihnen nicht traute, konnte ich keinen Blick hinter ihre Maske der Gottesfurcht erhaschen. Am letzten Tag meines Aufenthalts hielt ich in der Kapelle unweit der Weinenden Statue verborgen Wache, als ein junger Mönch eintrat, und begann, sich an der Statue zu schaffen zu machen. Offenbar versuchte er, sie zu öffnen! Diesen Frevel nicht länger duldend, trat ich aus den Schatten und schritt auf ihn zu. Da hatte er plötzlich ein Messer in der Hand und drang auf mich ein. Verzweifelt wehrte ich mich, doch er war unglaublich schnell und fügte mir mehrere tiefe Stiche zu. Blutend lag ich am Boden, als meine Hand die Statue berührte. Sie war feucht, ob von meinem Blut oder von etwas anderem, weiß ich nicht. Wie von selbst bewegte sich meine Hand zum Mund und ich schleckte die Flüssigkeit von meinen Fingern. Da durchfloss mich eine nie gekannte, göttliche Kraft, und ich konnte wieder aufstehen. Der Angreifer, der mich achtlos in meinem Blut liegen gelassen hatte und sich wieder der Statue zugewandt hatte, hatte gerade noch Zeit, sich umzudrehen, als ich ihm mein Schwert in den Hals stieß. Meine Klinge wurde heiß in meiner Hand, gurgelnd fiel der Mann um, schaffte es aber auf unheimliche Weise, das Schwert wieder aus seinem Hals herauszuziehen, obwohl er sich dabei schwere Wunden an beiden Händen zufügte. Ein scheußlicher Geruch von verbranntem Schweiß erfüllte die Luft. Es war der selbe, den Nachtmahre und Hexen verströmten, wenn meine uralte, von Umenäus selbst geweihte Klinge sie traf. Die heilige Statue mit seinem Blut verschmierend, sank der Mann zu Boden, atmete aber noch immer röchelnd. Ich konnte mich nur mit Mühe auf den Beinen halten, als die Mönche, aufgeschreckt vom Lärm, in die Kapelle traten. Ich konnte sie mit letzter Kraft davon abhalten, ihren tödlich verundeten Kollegen, auf den sie plötzlich einen unglaublichen Hass zu verspüren schienen, in Stücke zu hacken. Meine Maskerade musste ich fallen lassen und mich als Inquisitor, der ich war, offenbaren. Daraufhin fesselten sie den immer noch blutenden und schwach zuckenden Mann und warfen ihn in ein Verließ. Ich verbrachte mehrere Tage im Bett und kam nur langsam wieder zu Kräften. Schließlich fühlte ich mich stark genug und stieg, einer dunklen Ahnung folgend, zum Verlies hinab. Bei Chronos, der Mann lebte noch immer! Er flüsterte wie im Fieberwahn, aber es war eine Sprache, die ich noch nie vernommen hatte. Ich schickte nach den treuen Mannen, die ich in angewiesen hatte, in Schwarzenbrück auf meine Rückkehr zu warten. Wir holten den halbtoten, verräterischen Mönch aus seinem Kerker, legten ihn in einer leeren Mönchszelle ins Stroh und gaben ihm Nahrung. Wir bewachten ihn gut und das Erstaunliche geschah: Die Wunde, die jeden Sterblichen hätte töten sollte, verheilte, und binnen zehn Tagen war der Mann soweit genesen, dass wir ihn auf ein Pferd binden konnten und abreisten. Das Kloster würde noch einmal genauer untersucht werden müssen, doch zunächst musste man den unheiligen Mönch zur Untersuchung an einen sicheren Ort schaffen. Als wir an der Westküste ankamen, war nur noch eine dünne Narbe am Hals des falschen Mönchs zu sehen. Er sprach aber kein Wort und so schifften wir uns ein, um ihn in die eiserne Zitadelle zu bringen. Dort wurde er der hochnotpeinlichen Befragung unterzogen, aber der unheimliche Mann hielt an seinem Schweigen fest, aller schrecklicher Folter zum Trotz. Gewöhnliche Ketzer widerstehen der Befragung zumeist keine drei Tage. Wie er nach über einem Jahr schließlich entkam, ist mir ein Rätsel, zumal ich auch längst nicht mehr auf der Insel weilte. Fest steht aber, dass er das einzige mir bekannte Wesen ist, dem die Flucht aus der Eisernen Zitadelle gelang. Einige Monate nach seiner Flucht mehren sich nun Gerüchte, dass ein machtvoller Geisterbeschwörer im Ostreich aufgetaucht ist. Es muss wahrlich ein teuflischer Bursche sein, denn gestern war einer dieser nutzlosen Gecken vom Auge Chronos bei mir und stellte mir Fragen. Fragen, die alle in eine Richtung liefen... Vielleicht sollte ich so rasch wie möglich nach Schwarzenbrück zurückkehren und endlich mit mehr Nachdruck erforschen, was diese scheinheiligen Mönche mir bislang verschwiegen haben." — Aus einem Gespräch mit Baalian von Xerengi "Der rote Hexer ist ein Daimon, der sich von den Seelen der Menschen nährt. Sein weißes Ross frisst ihre Leiber und wen er anblickt, der ist des Todes. Der Hexer hat viele Getreuen, die sich 'Jünger der Zuur' heißen. Während im Westen der Krieg tobt, dringen bei uns diese Teufel ein." — Gehört in einem Wirtshaus in Aeridsburg "Wo ist Chronos, wenn man ihn anfleht? Hat er uns nicht längst aufgegeben? Seine feinen Inquisitoren kleiden sich in Gold, während wir hungern. Ich sage euch, es ist Zeit, sich einen anderen Gott zu suchen. Oder eine Göttin. Der rote Priester, der in diesen Tagen umgeht, predigen seine Leute nicht von einer Göttin, die hilft, wenn man zu ihr betet? Die Macht hat, wo Chronos ohnmächtig ist? Anrach, der Schmied, hat neulich in seiner Verzwieflung den alten Götterhain aufgesucht, um um Heilung für sein krankes Weib zu bitten. Da trat ein Mann zwischen den Bäumen hervor, mit feuerrotem Umhang. Er ergriff Anrach am Arm und Gab ihm ein Fläschchen mit einer schwarzen Flüssigkeit für sein Weib mit. Am nächsten Tag war sie gesund! Ich sage euch, wir sollten den Roten die Tore öffnen und uns endlich ihre Geheimnisse lehren lassen." — Kellan, Dorfältester aus Faerstaden Außer diesen existieren noch eine Reihe weiterer, oft widersprüchlicher Gerüchte über den mysteriösen Hexer, der seit Monaten im Osten des Östlichen Kaiserreiches unterwegs sein soll. Seit seinem Auftreten mehren sich auch die Sichtungen der Scharlachroten, einem Zusammenschluss von Ketzern, die angeblich eine alte Göttin anbeten und sich deshalb "Jünger der Zuria" nennen. Bislang höchstens für ihre Verstecktheit bekannt, wagen sie es immer öfter, offen ihr verbotenes Gewand zu tragen. Auch der Hexer trägt es, weshalb man wohl annehmen darf dass er zu ihnen gehört.
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