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| - "Sie sagen immer 'Du musst raus gehen, du musst dich mit Leuten treffen, dann geht es dir besser!', aber wie kann ich denn anders? Habe ich nicht dieses Verfluchte in mir? Diese Stimmen, das Feuer, die Qual. Und immer spüre ich es. Etwas ist hinter mir. Ständig hinter mir. Doch ich weiß nicht, was es ist. Es verfolgt mich. Es verfolgt mich lautlos, aber ich höre es doch. Ich will davon, von mir selber davon laufen, aber meine Beine wiegen so schwer wie tausend Worte. Jeder Schritt ist eine Qual. Diese Stimmen in meinem Kopf werden von Schritt zu Schritt immer lauter. Ich will weg, ich will von mir selber davon laufen. Aber ich kann nicht, ich kann mir nicht entkommen. Ich muss den Weg gehen, den es mich jagt. Endlose Straßen, es jagt mich endlose Straßen entlang. Doch egal, wo ich abbiege, das Gespenst rennt mit mir mit. Es hält mit mir Schritt. Es hält mich fest, sie hält mich fest. Aber wer glaubt mir denn? Nur ich kann sie sehen. Nur ich kann sie hören. Doch sie antwortet mir nicht, sie starrt mich nur an. Sie starrt mir nur in die Augen. Habe ich Schuld daran? Habe ich Schuld daran, dass sie nicht mehr ist? Ich frage sie. Ich frage sie Tag für Tag, doch sie antwortet nicht. Sie schreit mich nur an, sie schreit aus mir heraus. Hört es denn keiner? Hört es denn keiner wie es in mir schreit und brüllt? Ich kann es nicht mehr hören, ich kann nicht mehr standhalten. Hilfe! Ich kann nicht. Ich kann nicht. Was muss ich noch tun? Was muss ich tun, um meinen Frieden zu finden? Sitzt der Teufel auf meiner Schulter? Habe ich nicht auch das Recht, mein Leben zu leben?" kritzel' ich im Schein der aufgehenden Sonne in mein Tagebuch, als hinter mir die Tür aufgeht. "Ah, du bist ja schon wach!" wirft mir erstaunt die Krankenschwester entgegen, bevor sie auf mich zugeht und ihre Hand auf meine Schulter legt. Hastig schlage ich das Buch zu und drehe mich langsam zu ihr. Mit einem dicken Lächeln in ihrem Gesicht flüstert sie mir zu, dass der Arzt nochmal mit mir reden will und reicht mir ihre Hand, um mir aufzuhelfen. "Was möchte er denn? Ich dachte ich hab erst morgen wieder eine Sitzung" frage ich sie, während wir langsam den langen Flur der Psychiatrie entlang schlendern. "Nur mit der Ruhe" ermahnt sie mich, während sie langsam die Bürotür des Chefarztes öffnet. Eine helle, warme Stimme strömt aus der Tür, als der Arzt "Na schau, wer schon wach ist, komm nur rein" mir entgegen ruft. Gespannt mustert er mich, als ich mich auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch setze und flüstert mir leise "Weißt du welcher Tag heute ist?" zu. Resignierend nicke ich mit meinem Kopf, bevor er mit "Wenn du magst, können wir zu ihr fahren, dann kannst du mit ihr reden. Aber du musst dich dafür warm anziehen" fortfährt. Mit strahlenden Augen starre ich dem Arzt entgegen, springe zugleich von dem Stuhl auf und sprinte zur Tür. "Langsam laufen!" ruft er mir noch nach, in der Hoffnung, dass ich nicht stolpere und mir weh tu. In meinem Zimmer angekommen, krame ich hastig meine Schuhe und meine Jacke aus meinem Schrank und ziehe sie mir auf dem Weg zum Eingang an. Im Türrahmen lehnend mustert mich der Arzt und lässt nur ein leises "Fertig?" aus seinen Lippen rollen. Nervös, gemischt mit einer Vorfreude nicke ich und mache mich auf den Weg zu seinem Auto. "Endlich, bald lässt mich das Gespenst los. Dort kann es mich nicht anschreien. Dort kann ich durchatmen. Dort bin ich frei" hämmert es in meinem Kopf, als wir uns auf den Weg zum Friedhof machen. Wortlos und lethargisch starre ich aus dem Fenster und beobachte die Schneeflocken, wie sie gegen die Windschutzschiebe knallen. Mit einem höhnischen Unterton lässt der Arzt "Na, nervös?" durch das Auto rollen, welches mich aus meiner Lethargie reißt. "Nein, nein, ich bin nur gespannt" gebe ich von mir, als wir vor den Friedhofstoren stehen. "Wenn du magst, kannst du schonmal vor gehen, ich muss noch kurz telefonieren" presst er genervt aus seiner Brust, während er nach seinem Handy sucht. Mit zittrigen Händen stampfe ich durch den Schnee auf der Suche nach ihrem Grab. "Wo bist du?" hallt es von einer Schläfe zur anderen, bevor ich ankomme. Mit einem Lächeln in meinem Gesicht knie ich mich hin und wische den Schnee von ihrem Grabstein als ich mir leise "Ich habe dich vermisst" zuflüstere. "Ich weiß, du wartest schon lange, aber wir müssen uns noch etwas gedulden, bevor wir uns wieder sehen können. Bald sind wir wieder zusammen." lächle ich in Richtung Boden, während mir eine Träne die Wange hinunter läuft und ich mich in den Schnee setze. "Steh doch bitte auf, du wirst noch krank", dringt eine weibliche Stimme durch meine Ohren, während sich eine warme Hand in meinen Nacken legt. Angsterfüllt drehe ich mich um und starre in Eisblaue Augen und auf lächelnde rote Lippen. "Du?! Wie?! Du bist doch unter mir!" stammle ich verwirrt und erschrocken vor mich hin, bevor sie mir "Komm, wir müssen gehen! Auf dich wartet schon jemand" antwortet. Wortlos zieht sie mich an meinem Arm mit und wir rennen in das Schneegestöber. "Jeder Schritt. Der fühlt sich so leicht an. So unbeschwert. Ich bin endlich frei!" rollt es durch meinen Kopf. Ein lauter Frauenschrei durchfährt die Psychiatrie. Und die Mitarbeiter sprinten zu ihr. Verblüfft starren sie in das Zimmer, welches vom Mondschein durchtränkt ist, während sich ein Pfleger zum Lichtschalter vortastet. Schweren Herzens heben mich 2 Pfleger an den Beinen hoch, während der Oberarzt die Schlaufe von meinem Hals schneidet. Kategorie:Kurz Kategorie:Artikel ohne Bilder Kategorie:Geisteskrankheit
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