| abstract
| - Mein General, habe ich bei dieser Mission, die Ihr mir anvertraut habt, versagt? Unermüdlich ritt ich durch die unbekannten Lande nach Süden. Bei den Barbarenstämmen, auf die ich stieß, konnte ich Euren Pass nicht nutzen; sie sprachen eine unverständliche Sprache und erwiesen sich als feindlich. Gelegentlich musste ich mich mit dem Schwert durchschlagen und beschloss, von da an den Kontakt zu Menschen zu meiden. Dann endeten die Berge, Täler und Ebenen an einer riesigen Fläche Salzwasser. Ich hatte keine andere Wahl, als die Küste entlang nach Westen zu reiten, in der Hoffnung, einen Weg über dieses Meer zu finden und weiter nach Süden zu ziehen. Ich fand einen Hafen, wo einige Handelsschiffe festgemacht hatten. Ich zeigte die Goldstücke vor, die Ihr mir anvertraut hattet, und konnte mithilfe von Gesten bei einem der Kapitäne eine Überfahrt für mich buchen, aber nicht für mein Pferd. Mit Bedauern schenkte ich ihm die Freiheit. Nach vielen Meilen auf See, als ich mich gerade an die rollenden Wellen gewöhnt hatte, wurden wir von einer Galeere angegriffen. Die Piraten waren ebenso grausam wie listig. Sie kamen längsseits und enterten uns. Ich kämpfte tapfer mit der Mannschaft, aber bald wurde mir klar, dass die Angreifer die Oberhand behielten, und ich entschied mich für ein gewagtes Spiel. Ich schnitt mir den Oberschenkel auf, schob den Gegenstand, den Ihr mir gegeben hattet, in die Wunde und verband das Bein mit einem Fetzen, den ich vom Segel abgerissen hatte. Die Piraten töteten alle, die zu schwer verwundet waren, plünderten die Ladung und versenkten das Schiff. Die Überlebenden wurden an die Ruder gekettet, Sklaven unter einer gnadenlosen Peitsche; so begann mein Leben als Galeerensklave. Das Meer war der Schauplatz ungezählter Schlachten zwischen Barbaren, eine blutrünstiger als die andere. Ich überlebte als menschliche Ware, unter brutaler Gewalt bewegte ich mein Ruder ohne Jammern oder Flehen. Eine Flucht war unmöglich. Die Wunde an meinem Bein heilte ungewöhnlich schnell und niemand konnte vermuten, was sich dort verbarg. So gingen Monate, dann Jahre der Sklaverei vorüber; ich wurde vom Meer an Land geworfen und wieder zurück und lernte die riesige Größe und Vielfalt der Welt kennen, die Alexander beherrschen wollte. Ich lebte als Sklave, bis ein Sturm das Schiff meines letzten Herrn zerschmetterte. Mit den Trümmern wurde ich an ein unbekanntes Ufer getrieben. Ich befreite mich von der Kette, die noch um meine Knöchel lag, indem ich sie an Felsen zerschlug; endlich allein und frei ließ ich die See zurück, deren Wellen mit mehr Blut und Schweiß gefüllt sind als die Schlachtfelder, die ich mit Euch, mein General, auf der Suche nach Ruhm für Alexander den Großen durchquert habe. Was ist nach der Niederlage am Hydaspes aus Euch geworden? Was ist aus unserem König geworden, den ich fallen sah und der dann auf Euren Befehl auf einer Bahre vom Schlachtfeld getragen wurde? Ich erinnere mich an den jungen, großartigen König, faszinierend und unbesiegbar, im Sattel seines großen Hengstes Bucephalus; jeder seiner Männer hätte ohne Zögern sein Leben für ihn gegeben. Warum musste der unbeugsame Wunsch, die Welt zu erobern, ihn und uns in die Ungerechtigkeit, die Unmäßigkeit und den Wahnsinn dieser Massaker führen? Wir zogen in die letzte Schlacht gegen die Inder mit Angst und Ekel im Bauch, nur weil Ihr, Ptolemaios, es wolltet. Eure Leute glaubten nur an Euch. Dabei wussten wir, dass diese Schlacht für viele von uns die letzte sein würde... An diesem Ufer am Rand der Welt, umgeben von nichts als Wellen bis zum Sonnenuntergang, gab ich es auf, einen Weg nach Süden zu suchen. Ich zog mich stattdessen ins Landesinnere zurück. Eines Tages, als Erschöpfung, Einsamkeit und Fieber meinen Mut und meine Kraft überwanden, nahm eine Barbarenfrau mit einer Handvoll schwächlicher Kinder mich auf und gab mir zu essen. Ich lernte ihre Sprache, arbeitete mit ihr auf dem Feld und besserte unsere Mahlzeiten mit Wild auf, das ich erlegte. Bis zu dem Tag, an dem ich bei der Jagd einen Bären aufstöberte. Er verletzte mich schwer, bevor ich ihn besiegte. Mit jedem Schritt, den ich zurück zu meiner Gefährtin gehe und schließlich krieche, spüre ich, wie das Leben mich verlässt. Ich werde nicht mehr lange genug leben, um mein ungeborenes Kind zu sehen, das sie in sich trägt. Ich werde nicht mehr lange genug leben, um ihr die Geschichte dessen zu erzählen, was in meinem Bein verborgen ist. Es wird mit meinem Körper in diesem fremden Land begraben werden, das eines Tages meines hätte werden können. General Ptolemaios, ich habe den Gegenstand, den Ihr mir anvertraut habt, so weit getragen, wie ich konnte. Ich konnte ihn nicht an den südlichen Rand bringen, aber er blieb all die Jahre verborgen und wird es auch weiter bleiben. Mein General, ich sterbe ohne Antwort auf meine Frage: Habe ich in meiner Mission versagt? Soldat Efcharisto, um 310 v. Chr.
|