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  • Vom Wesen der Totems
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  • die Untersuchung dessen, was bei den wilden Völkern des Westens gemeinhin als Schamanismus bekannt ist, gerät immer wieder in Verzögerung, weil die jungen Herren sich anmaßen, dieses Rätsel mit Gedankenexperimenten und Versuchen am toten Objekt lösen zu können. Ich möchte als Beispiel die Kraft des Kanalisierungsobjekts erläutern, das gemeinhin als "Totem" bezeichnet wird und beziehe mich hierbei insbesondere auf die Erläuterungen und Ausarbeitungen der jungen Herren Vicium, Kalinas und der Dame Lucia. Mit hochachtungsvollem Gruß an das Kollegium, s. Delorum, Magister Arcanum
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  • die Untersuchung dessen, was bei den wilden Völkern des Westens gemeinhin als Schamanismus bekannt ist, gerät immer wieder in Verzögerung, weil die jungen Herren sich anmaßen, dieses Rätsel mit Gedankenexperimenten und Versuchen am toten Objekt lösen zu können. Das ist selbstverständlich Unsinn. Der Schamanismus mag in seiner Funktion bei weitem nicht so kraftvoll sein wie die Hohe Kunst der Magie, wie sie uns zu glorreichen Tagen von den Gelehrten der Elfen gezeigt und von uns gehegt, gepflegt und weiterentwickelt wurde. Dennoch sollen die jungen Herren nicht den Fehler begehen, zu glauben, daß etwas, was von primitiven Völkern abstammt, auch in sich selbst primitiv und einfach sei. Die jungen Herren sollten in ihrer Phase des Stuidiums bereits begriffen haben, daß Magie - in welcher Form auch immer - niemals einfach ist und ihre Entschlüsselung, Deutung und Nutzung immer ein hohes Maß an Wissen, Einsicht und Verständnis fordert. Ich möchte als Beispiel die Kraft des Kanalisierungsobjekts erläutern, das gemeinhin als "Totem" bezeichnet wird und beziehe mich hierbei insbesondere auf die Erläuterungen und Ausarbeitungen der jungen Herren Vicium, Kalinas und der Dame Lucia. Kollege Vicium beschreibt das Totem als Object Obscurum, das, ähnlich dem gewöhnlichen Zauberstab magische Energien speichert und immediat verfügbar macht, üblicher Weise in destruktiver Form und Auswirkung. Der Kollege ist sehr gewissenhaft bei der mathematischen und thaumaturgischen Ausarbeitung der Details, seine Befähigung als Analyst der elfischen Künste sind unbestritten. Der junge Herr erwähnt jedoch nicht mit einem einzigen Wort die unterschiedlichen Funktionen, die ein und das selbe Totem ausführen kann. Diese Fähigkeit der Totems ist uns wohl bekannt und wurde mehrfach am Lebenden Object beobachtet und dokumentiert. Kollege Kalinas ist bei seinen Beobachtungen in dieser Hinsicht genauer und beschreibt die Totems als reine Kanalisierungsobjekte, die die thaumaturgischen Formulierungen des wirkenden Schamanen auf einen Punkt und von dort aus in die reale Welt wirken lassen. Seine Argumentation bezieht sich jedoch auf das Tote Objekt - und das im wahrsten Sinne des Wortes. In der Gegend der Südküste wurde vor einigen Monaten die Leiche eines Tauren gefunden, der im Kampf gegen einen der Bären sein Ende gefunden zu haben schien. Nahe der Leiche fand man noch zwei dieser Totems in den Boden gerammt. Der geschätzte Kollege kam nun in den glücklichen Umstand, die beiden Objekte für sein Studium genauer untersuchen zu dürfen. Nach mehrfachen magischen Analysen musste er jedoch enttäuscht feststellen, daß die Totems selbst keinerlei thaumisches Echo aufwiesen. Nichtsdestotrotz reagierte eines der Objekte auf Versuche mit Feuer ungewöhnlich, was vermuten lässt, daß es sich nicht um bloße Kultobjekte handelt. Der Umstand ist allgemein bekannt, daß Kanalisierungsgegenstände einen speziellen Ritus verlangen, um ihre verstärkenden Möglichkeiten zu nutzen. Der junge Herr nahm deshalb an, daß ihm lediglich der entsprechende Ritus fehlte, um die Totems zu aktivieren und kategorisierte sie entsprechend. An diesem Punkt muss ich dem Kollegen fehlende Sorgfalt vorwerfen - es wären mehr Tests und Analysen nötig gewesen, um diese Annahme zu treffen. Seine Annahme erklärt zwar schlüssig, wie ein und das selbe Objekt für zahlreiche verschiedene Zauber genutzt werden kann, lässt jedoch völlig ausser Acht, daß der Wirker diese Objekte in den Boden rammt und damit praktisch die Verbindung erdet - es wird selbst in den fühen Semestern der Kanalisierungskunst gelehrt, daß bei einer Erdung des Objekts ein materieller Kontakt unabdinglich ist, um den Wirkungsgrad in einem sinnvollen Bereich zu halten. Der Kollege erklärte das mit einer eher abfälligen Bemerkung über die Primitivität der Methode. Nun, man mag den wilden Völkern vorwerfen, was man will, doch eines sind sie bestimmt nicht: dumm. Würde sich die Wirksamkeit des Totems empfindlich erhöhen lassen, indem man es einfach in die Hand nimmt und eben wie eine uns bekannte Kanalisierungsrute nutzt, dann hätten sie das bereits herausgefunden. Tatsächlich leitet sich die Magie der Wilden doch ausschließlich aus Versuchen, Fehlern und den daraus gezogenen Erfahrungen ab und nicht aus thaumaturgischen Herleitungen, wie es in zivilisiertem Umfeld getan wird. Für jene, die mit Verhovens Ableitung Zur Wirksamkeit Kanalisierter Kräfte nicht vertraut sind, sei nocheinmal gesagt, daß Verhoven einen Wirksamkeitsverlust von mindestens vierzig Pro Zehntem Teil bewiesen hat - solch ein Verlust an Kraft ist mit freiem Auge sichtbar und deshalb selbst einem Wilden über den Lauf der Jahrhunderte bekannt. Die Dame Lucia versucht eine völlig andere, ich möchte fast sagen "weibliche" Herangehensweise. Man kann es der lieblichen Studiosa nicht übel nehmen, ist es doch hinlänglich bekannt, daß Frauen keinerlei Talent zur logischen Herleitung besitzen. Es ist also nur verständlich, daß sie ein, nun, nennen wir es "pseudometaphysisches Hirngespinst" ersinnt, um so eine, leider völlig irreführende, Erklärung für das bislang unzureichend Verhalten der Totems und auch insgesamt für die thaumische Formulierung des Wesens des Schamanen zu erhalten. Madame Lucia führt die Kräfte, die durch das Totem wirken auf eine Art allegorische Erscheinung der Elementarkräfte zurück, mit denen der Schamane in einem transzendenten Zustand parlieren kann. Um diesen Kräften einen direkten Zugang zur materiellen Welt zu bieten, stellt der Schamane das auf den entsprechenden Elementargeist abgestimmte Totem als eine Art Portal auf. Er selbst, vermutet die Kollegin, hat keine weitere Eingriffsmöglichkeit auf die Auswirkung und den Effekt des Totems. Lediglich die korrekte Forumlierung seiner "Bitte" beeinflusst das Ergebnis - der Schamane mache sich also vom Wohlwollen des elementaren Bewusstsein abhängig. Unter anderem mutmaßt die liebliche Lucia auch, daß der Wirker für bestimmte Zauber ursprünglich seinen eigenen Körper als Portal zur Verfügung stellte und auch noch immer dieser Praxis folgt, daß das Totem aber gewissermaßen eine Externalisierung darstellen, mit der der Schamane seinen Wirkungsbereich erweitern kann. Der Fehler in der Denkweise ist natürlich offensichtlich: die Allegorisierung der Elementarkräfte ist blanker Unsinn. Ich habe der grazilen Studiosa bereits private Nachhilfestunden angetragen, das höfliche Angebot wurde aber ungewohnt schroff abgewiesen. Es ist allgemein bekannt, daß es sich bei den Elementarkräften um geistlose Energien handelt. Einzig deren Ausformungen in Elementarwesen scheint eine rudimentäre Intelligenz zu zeigen, die jedoch nicht in der Lage ist, weitgreifende eigene Entscheidungen zu treffen, geschweige denn, eine Verhandlung mit einem wiewohl primitiven und unzivilisierten aber dennoch eindeutig denkenden Wesen zu führen, und sei es nur einer der zu uns vergleichsweise hirnlosen Trolle. Abgesehen davon ist es Kinderglaube, daß sich Magie durch die Formulierung einer "Bitte" formen ließe. Dies weist darauf hin, daß die schöne Lucia sich zu sehr von der Idee des "Wilden" faszinieren lies und ihnen deshalb auch sehr einfach scheinende und primitive Praktiken unterstellt, die jedoch in vita nicht funktionieren könnten. Selbst bei den Gebeten der Priester, welche mithilfe des geheiligten Lichtes Wunder vollbringen mögen, handelt es sich doch um nichts anderes als magische Rituale. Ich rege stärkstens an, daß die Werke der genannten Autoren aus der Bibliothek des Magischen Turms zu Stormwind genommen werden. Sie sind allesamt irreführend und gehören dringendst überarbeitet. Es darf nicht sein, daß der Ruf unserer berühmten Bibliothek durch solche unvollkommenen und undurchdachten Werke beschmutzt wird. Außerdem bitte ich dringenst darum, daß die jungen Studiosos wieder stärker dazu angeregt werden, unbekannte Phänomene im Experiment und nicht nur am Papier zu studieren. Mit hochachtungsvollem Gruß an das Kollegium, s. Delorum, Magister Arcanum
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