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| - Unterm Kirschbaum. Im Garten. Warme Nachtluft, duftendes Gras, eine Nachtigall singt ein letztes Lied am späten Abend. Die Kirschen sind fast reif. Großbauer Thorm Osborne aus Wisdale – nahe dem schönen Stratholme gelegen – reckt sich etwas, pflückt eine und kaut sie, spuckt den Stein aus, schmeckt den süßen Saft kaum, stopft seine Pfeife, entzündet seine Pfeife, raucht seine Pfeife. Wieder. Die Dritte. Frauen sind grässlich. Er hat zu sagen was getan wird! Er ist der Besitzer des Hofes und des hübschen Fachwerkhauses, an dessen Wand er sich jetzt mit dem Rücken lehnt. Ihm gehören der Garten, der Kirschbaum, das ganze Drumherum, ein paar Felder und ein paar Weiden in der Umgebung und kein Knecht und niemand anderes gibt ihm freche Widerworte. Weil Thorm selbst anpackt, sich die rauen Hände ohne zu zögern schmutzig macht und für die Prügel gefürchtet ist, die er austeilen kann. Frauen sind grässlich, verdammte Frauen, jagen ihn aus seinem eigenen Haus und sagen ihm er soll sich betrinken – er trinkt nicht gerne viel, ein Schlückchen hier ein Schlückchen da aber nur in Maßen, und er will ganz sicher nicht wie ein Trunkenbold durchs Zimmer schwanken wenn sie ihn endlich wieder in sein eigenes Haus lassen. Frauen sind grässlich, verdammtes verfluchtes Weibsvolk. Mit dem hübschen Lächeln und den strahlenden Augen locken sie dich an, mit ihrem Duft und ihrem Lachen und ihren schwingenden Hintern fangen sie dich ein und du kannst schlicht und einfach nicht anders als auch zu lächeln, wie es die Knechte überhaupt nicht gewohnt sind dich lächeln zu sehen. Und sie nehmen dich auf den Arm wie es keiner im Ort jemals wagen würde und blitzen dich dabei mit ihren klugen Augen an und dir gefällt der Humbug sogar noch, wobei es doch mehr als genug zu arbeiten gibt und du immer einer ernste Frau wolltest die einfach ihren Teil am Hof mittut, sich nützlich macht und nicht dauernd herumplappert. Und irgendwann wartest drauf, dass sie dich wieder auf den Arm nehmen, weil’s ihr Gesicht so spitzbübisch leuchten lässt wenn sie merken dass du rein gar nichts tun kannst um ihnen das auszutreiben. Und das ist doch wirklich die dümmste Art, auf die sich ein erwachsener Mann benehmen kann. Und dann machen sie dich glücklich wenn sie dir sagen, dass das Licht dir einen Erben schenken wird und du liest ihnen noch mehr Wünsche von den Augen ab als sowieso schon und lässt die Kutsche auf Vordermann bringen und gibst Wiege und Vorhänge und teures Zeug in Auftrag, als wärst du der Baron von Stratholme höchstselbst, und alle in Wisdale grüßen dich grinsend auf den Straßen und wenn du am Licht-Tag mit deiner Frau zum Tempel gehst und flüstern sich zu „er ist nicht so grimmig wie er tut, der Osborne“. Und deine Knechte haben natürlich noch Respekt, weil du ihnen ja ansonsten die Felle gerben würdest, aber sie schmunzeln eben doch hinter deinem Rücken, weil sie wissen, wie du gleich gaffen wirst, wenn deine wunderschöne Frau wieder einmal um die Ecke kommt, ausgewechselt wirst du sein, wie ein Hornochse glotzen und ganz vergessen warum du grade noch einen angeschrieen hast, und das findet das Knechtsvolk natürlich zum schießen komisch. Und dann ist deine Frau mit einem Mal nicht mehr lustig, nicht mehr glücklich und nicht mehr spitzbübisch, dann schreit sie plötzlich und hat Schmerzen und rollt mit den Augen und kann nicht mehr stehen – und die Ammen werfen dich raus. Dann werfen sie dich raus aus deinem eigenen Schlafzimmer und deinem eigenen Haus, obwohl du einmal einen wild gewordenen Ochsen mit einem Schlag auf den Schädel zu Boden gehauen hast und obwohl du einmal mit 5 Mann einen zwei-Meilen-Zaun innerhalb eines Tages und einer Nacht für die neu gekaufte Herde fertig gestellt hast und deine Hände danach rohes Fleisch waren und du Fieber bekamst, aber was soll’s der Zaun war fertig und das war gute Arbeit… und das zählt plötzlich nichts mehr, oh nein, da kommt eine alte Vettel von Amme und sagt dir du wärst bei dieser Sache zu nichts zu gebrauchen und solltest dich betrinken gehen, und dann stehst du wie ein Trottel in deinem eigenen Garten unter dem Schlafzimmerfenster und unter dem dämlichen, blöden Kirschbaum mit dem krummen Stamm und diesen dummen Kirschen die nach überhaupt nichts schmecken, rauchst eine Pfeife nach der anderen, deine Gedanken rasen, du kriegst ja gar keine Ruhe, am liebsten würdest du etwas kurz und klein schlagen weil deine Frau da oben schreit verfluchtnocheinsbeimLichtwarum SCHREIT… denn… dein … Goldschatz seit Stunden so laut? Und wieso zum verfluchten drecksverdammten tausendfach blöden Thron von Lordaeron verdammt noch eins kannst du nicht jemand mit deinen Händen packen und ihm den Schädel einschlagen, der deiner Frau so wehtut, und warum passiert so etwas Grundverkehrtes überhaupt, schließlich bist du hier derjenige der die Zähne zusammenbeißt, schließlich bist du derjenige der für solche Sachen da ist, du solltest mit blutigen Händen heimkommen und sie sollte sich ein bisschen Sorgen machen und fragen ob es arg schmerzt und dich verbinden und Tee kochen und mit gerunzelter Stirn schimpfen was du dir da nur wieder gedacht hast denn sie ist so zuckersüß wenn sie das tut und es sollte ANDERSHERUM sein und jetzt wirst du gleich verrückt werden und den verdammten Baum umtreten wegen dieser grässlichen verdammten, verfluchten Weiber... … Und dann hören die Schreie über dir auf. Es ist für einen Moment totenstill. Und dein Herz bleibt stehen. Du hörst ein leises Kichern aus dem Fenster im ersten Stock über dir und du spürst wie deine Ohren ein winziges Bisschen zucken. Und du hörst deine Frau erschöpft keuchen. Und etwas sagen, furchtbar müde aber mit ihrer ein wenig spöttischen, klugen, gut aufgelegten Stimme, die du so gut kennst. Und drei oder vier andere Frauen lachen. Sogar die alte Amme. Diese grässliche Vettel. Diese blöde. Und ein Kind schreit. Dein Herz explodiert fast. Und du rennst. Wie ein Trottel. Frauen sind wundervoll.
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