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  • Bukephalos/Geschichte
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  • 21. Juli 356 v. Chr. Am Tag, als Alexander der Große geboren wurde, geschah noch etwas anderes, das großen Einfluss auf die Menschheit hatte. Eins der sieben Weltwunder, der Artemis -Tempel in Ephesus (in der heutigen Türkei), wurde von einem Mann namens Herostratus niedergebrannt. Unter der Folter gestand er, dass er um jeden Preis Ruhm und Ehre erlangen wollte und keine andere Möglichkeit dazu gesehen hätte. Er wurde vor Gericht gestellt und vor das Volk, das ihn mit Hass und Abscheu betrachtete. Wären die Richter und die Menge aber weniger von ihrem Zorn geblendet gewesen, hätten sie die Sibylle bemerkt, die in der umgebenden Dunkelheit von den verlöschenden Flammen des brennenden Tempels angestrahlt wurde. Die Augen der alten Frau rollten wild, sie begann heftig zu zucken und in prophe
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  • 21. Juli 356 v. Chr. Am Tag, als Alexander der Große geboren wurde, geschah noch etwas anderes, das großen Einfluss auf die Menschheit hatte. Eins der sieben Weltwunder, der Artemis -Tempel in Ephesus (in der heutigen Türkei), wurde von einem Mann namens Herostratus niedergebrannt. Unter der Folter gestand er, dass er um jeden Preis Ruhm und Ehre erlangen wollte und keine andere Möglichkeit dazu gesehen hätte. Er wurde vor Gericht gestellt und vor das Volk, das ihn mit Hass und Abscheu betrachtete. Wären die Richter und die Menge aber weniger von ihrem Zorn geblendet gewesen, hätten sie die Sibylle bemerkt, die in der umgebenden Dunkelheit von den verlöschenden Flammen des brennenden Tempels angestrahlt wurde. Die Augen der alten Frau rollten wild, sie begann heftig zu zucken und in prophetischer Trance zu rufen. Ein Priester, der den Brand überlebt hatte, fing sie auf, als sie in ein mehrere Tage dauerndes Koma fiel. Später gravierte er die Worte der Sibylle auf eine Kupfertafel. Sie hatte anscheinend mit der Stimme der Götter des Olymps gesprochen: Groß ist der Zorn der Artemis, der Tochter des Zeus. Sie hätte den Schuldigen an dieser tödlichen Entweihung selbst bestraft. Sie hätte sein Herz mit ihrem silbernen Pfeil durchbohrt, wenn nicht eine dringende Pflicht sie davon abgehalten hätte. Die Göttin wacht in diesem Augenblick über die Geburt des Kindes, das auf dem weiten Erdenrund den Respekt vor den Göttern durchsetzen wird. Artemis, die Göttin der Jagd, der wilden Tiere und der Wildnis, die Göttin der Hebammen und des Sternbilds des Großen Bären, nahm einen Stern aus dem Sternbild des Zentauren und schenkte ihn dem Kind, um es zu seiner ruhmreichen Bestimmung zu führen. Der Knabe untersteht damit dem Schutz dieses mythischen Wesens, halb Mensch, halb Pferd, und sein Schicksal ist mit Chiron und mit Pferden verbunden. Aber die Beleidigung des Herostratus darf sich nie wiederholen. Der Mensch darf nie wieder mit den Göttern rivalisieren. Größenwahn und Ruhmsucht sind menschliche Schwächen, die nie mehr das Reich der Götter oder der Menschen in Gefahr bringen dürfen. Artemis stattete den Stern deshalb mit einer weiteren Gabe aus: Falls sein Träger unglücklicherweise den Verstand verlieren oder in Zorn verfallen sollte, falls sein Ehrgeiz das vernünftige Maß überstiege, würde der Stern zu seinem Untergang führen. Solange er den Stern trägt, wird kein Mensch ihn besiegen können. Solange seine Taten bescheiden und ehrlich sind, solange er maßvoll und weise bleibt, ist er unbesiegbar. Aber wenn er strauchelt, wird der Zorn des Zeus ihn verschlingen. In diesem Augenblick stieß das Kind, das einmal Alexander der Große werden sollte, einer der größten Eroberer der Weltgeschichte, seinen ersten Schrei aus. Durch die Schmerzen der Geburt hindurch hörte Königin Olympias, Priesterin des Zeus und ehrgeizige Gemahlin Philipps II. von Makedonien, das Orakel der Artemis wie ein Omen. Trotz ihrer Erschöpfung spielte ein triumphierendes Lächeln um ihre Lippen. Welche Mutter erträumt kein außergewöhnliches Schicksal für ihr Kind? Mit der Hilfe der Götter würde sie alles tun, was in ihrer Macht stand, um Alexander zu erziehen und zu dem hohen Rang zu führen, der ihm bestimmt war. Er würde ihre Träume von Macht und ewigem Ruhm erfüllen. Sie glaubte nicht an die Warnung der Sibylle. Wenn Alexander unter dem Schutz der Götter stand, warum sollte er sich mäßigen und zurückhalten? Er wäre der Größte unter den Menschen, ein Heerführer, den man bis ans Ende der Zeiten verehren würde. Als die Hebamme den Neugeborenen seiner Mutter übergab, nahm Olympias ihn zärtlich in die Arme. Dann spürte sie eine scharfe Spitze, die sich in ihren Hals grub. Sie hielt ihren Sohn von sich weg und entdeckte den Bronzestern, den er mit seiner winzigen Faust umklammert hielt. Sofort erkannte sie die Macht des Sterns, eines Gegenstandes, der nur für Alexander allein bestimmt war. Sie glaubte, dass das Orakel nur zu ihr gesprochen hätte und deshalb niemand sonst von dem Stern wüsste. Aber die Hebamme hatte den Stern der Artemis gesehen und Olympias konnte nicht riskieren, dass das Geheimnis bekannt würde. Die Hebamme, die eine solche Gefahr darstellte, starb schnell an den Bissen der Schlangen, die Olympias in ihrem Schlaf bewachten. Der Stern, der Artemis, der Tochter und Botin des Zeus gehörte, blieb das geheime Zeichen des Bundes mit den Göttern, der Alexander unbesiegbar und unsterblich machen sollte. Auf den Überresten des ersten Tempels der Artemis wurde Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. ein zweiter gebaut. Dieser wurde 263 n. Chr. von den Ostgoten geplündert und 401 von den Christen niedergebrannt. Kaiser Justinian zerstörte ihn endgültig, als er einige Säulen entfernen ließ, um seinen Palast in Konstantinopel zu bauen. Wie viele andere nach ihm verbrachte Justinian viel Zeit damit, die Bedeutung der Worte zu enträtseln, die in eine Kupfertafel an einer der Steinsäulen graviert waren. Wer träumt nicht davon, den Stern der allmächtigen Götter zu besitzen? Er behielt die Prophezeiung in seinem Palast, aufgerollt in einem riesigen byzantinischen Teppich, den er mit all seinen anderen Schätzen in einer riesigen Bibliothek versteckte. Wie das Glück – oder das Schicksal – es wollte, kam Alexander durch Ephesus, als er 23 war, und bot den Griechen das nötige Gold an, um den Tempel wieder aufzubauen. Aber die Bevölkerung hatte Angst und lehnte das Angebot ab. So setzte er seine Reise fort und bekam nie die Kupfertafel zu sehen, die an einer Säule im Naos, dem innersten Heiligtum des Tempels, befestigt war.
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