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| - „Ahje… Du siehst gar nicht gut aus…“, erkannte Silver, als Phoenixclaw ins Mannschaftscasino kam. „Du auch nicht. Schlecht geschlafen?“, entgegnete sie und griff sich einen Kaffee. „Beruht wohl auf Gegenseitigkeiten.“ Phoenixclaw seufzte und ließ sich nochmal alles durch den Kopf gehen. Da sie momentan fast alleine waren, fragte sie flüsternd: „Wenn wir heute den letzten Angriff starten würden, was würdest du bereuen?“ „Ich weiß nicht… Wahrscheinlich, dass wir einander kaum Zeit hatten.“ „Leider. In Sachen Beziehung sind wir beide einfach zu verplant.“ „Was würdest du bereuen?“ „Hm…“, sie blickte sich kurz um. „Wahrscheinlich die Tatsache, dass ich den einzigen Kerl, den ich von Herzen liebe, nie an mich ran gelassen habe.“ „Was meinst du damit?“ Sie fasste seine Hand. „Vielleicht sollten wir es heute Abend machen. Ich gebe in nicht mal 19 Stunden den ultimativen Befehl, da kann es doch egal sein, was davor passiert ist, oder nicht?“ „Wir sollen zusammen schlafen?!“ Er blickte sich panisch um, aber seinen Ausruf hatte niemand von den drei Offizieren Aufmerksamkeit geschenkt. „… Du hast recht, letzten Endes kann bereits morgen alles vorbei sein.“ „Eigentlich kann es jederzeit vorbei sein, immerhin fliegen wir durch die unendlichen Weiten und aus dem Nichts kann schließlich alles kommen.“ Silver nickte wissend, worauf sie beide sich küssten und dann ihrer Wege gingen. Der Tag verlief ruhig, auch wenn die Anspannung sehr wohl in der Luft lag. Die Soldaten aus den unteren Decks übten stundenlang in der Landebucht und dem VR-Raum wie man die Waffen schnell und effizient nachlud, man im Nahkampffall schnell einen Husk los wird oder sich einfach gegen Tonnen von Reaper-Bodentruppen behaupten kann. Ihr Team war nicht anders: Raek’a stimmte zusammen mit Marak, Tesera und Tensagi ein Mehrklang-Gebet an, welches selbst auf sie eine besonders beruhigende Wirkung hatte und die Gedanken der letzen Nacht vertrieb. Skullface wartete sämtliche Waffen durch, nur damit seine Hände was zu tun hatten (laut Mistral hatte er sich über „Hilfestellungen“ und den richtigen Umgang mit Feret’asimern erkundigt, weshalb sie vermutete, dass er an diesem Abend seine Fingerfertigkeit noch wo anders gebrauchen könnte); Enriya betete in einer alten Sprache, die sie für die der Xent hielt (was laut EVI auch stimmte) zum Pantheon und betete für die Seelen der Asari, die auf Thessia und den anderen Welten wie die Fliegen starben; Seraphim übte mit den Soldaten im VR-Raum, ließ sich dann aber von Raek’a und Marak zum gemeinsamen Gebet überreden. Auch in der normalen Crew war einiges los. Kurz vor dem Mittagessen hörte sie, wie sich ein Offizier des GIZ mit einer Offizierin des KIZ verabredete. Und natürlich gab es auch viele, die beteten oder sogar einen kleinen Schrein im allgemeinen Aufenthaltsraum auf Deck vier aufbauten. Phoenixclaw stimmte das alles aber auch traurig, da sie dadurch merkte, wie wenig alle an ein Überleben dachten. Irgendwann ging sie vor ins Cockpit und blickte lustlos auf die Konsole oder hindurch auf die Sterne. Die Nachrichten machten ihre Laune nicht besser, auch wenn dank der Selen endlich ein Durchbruch der Neurokia gelungen ist. „Steht alles?“, fragte Silver, nur um irgendwie die Stille zu durchbrechen. „Ja, ja… Sämtliche Angriffstruppen stehen bereit. Die planetaren Verteidigungsstellungen sind ebenfalls bereit. Ich konnte über einhundert verschiedene Völker einen, wobei ich von den kleinsten noch nicht mal die Namen kenne. Aber…“ „Aber?“ „Ich habe keine Ahnung, wie ich das anpacken soll. Ich kann doch nicht einfach sagen: ‚Los! Pack‘ ma’s!‘ Und unsere Soldaten greifen an. Da muss etwas mehr Pfiff dahinter sein und ich habe Angst, dass das nach hinten losgeht.“ „Hm… Ich glaube, dir fällt eine richtig gute und inspirierende Rede ein.“ „Das will ich hoffen. Wir… Oh je…“ „Was ist? Legt die Allianz los?“ „Nein, aber die Feret’asimer. Sie haben zwei Kryo-Bomben gestartet… In eine Sonne! Sie haben eine Sonne einfrieren wollen!“ „Was?“, fragte Silver verwundert und schob sich den Nachrichtenfeed auf seine Konsole. „Oh Scheiße… Die haben das ganze System damit in die Luft gejagt!“ „Bitte was?!“ Sie schob eine Videodatei einer sich in der Nähe befindlichen Station rüber. Der betroffene Stern war markiert und wechselte zuerst ins rote, um dann in einen grellen Blitz zu implodieren. „Das ist ein neuer Neutronenstern. Die haben die äußere Hülle runter gekühlt und somit den Wärmehaushalt der Sonne gestört, mit dem schönen Ergebnis, das ein Teil der Kernfusion zum erliegen gekommen ist, wodurch die Sonne durch ihr eigenes Gewicht implodierte. Genial und genauso wirkungsvoll wie unsere Nova-Bomben, doch auch genauso eine Verschwendung eines Systems.“, skandierte Phoenixclaw und ging geschockt. „Was ist los?“, fragte Silver verwundert nach. „Ich muss einigen Admirälen die Hammelbeine langziehen!“ Die Stimmung hatte sich in den paar Stunden verschärft. Keiner der Admiräle, weder der der Eisspeer-Flotte, noch einer der anderen oder Admiral Seri hat davon gewusst. Den Feret’asimern entglitt ihre Kommandostruktur, und das konnte noch brandgefährlich werden, sollten sich die anderen Admiräle, Generäle und Truppenführer von dieser Laune anstecken lassen. Überall aus der Galaxie hörte man von der aufkommenden Stimmung, und davon, dass der nun letzte Abend und die letzte Nacht gefeiert werden, so gut es ging. Und, dass überall ein kollektives Beten eingesetzt hatte; sogar in Barcelona, dem letzten Bollwerk auf der Erde, welches von einem mittlerweile maximal geladenen Schutzschild und Cyber-Drachen beschützt wird. Es ging auf den Abend zu. Phoenixclaw verweigerte das Essen und zog sich stattdessen in ihre Kajüte zurück um nochmal alles zu durchdenken und nachzuprüfen. Sämtliche Flotten waren in Position. Die Altairs würden mit den beiden ihnen zur Verfügung stehenden Allianzen und unzähligen aufgerüsteten quasi-freien Schiffen, also insgesamt 250.127 Schiffe, in den letzten Kampf ziehen. Doch das ist nicht die größte Flotte. Die Hereter haben ein letztes Mal gezeigt, was ihre Werften können und ihr Flotten-Skelett mit einigen zehntausend Schiffen neu aufgestockt, laut inoffizieller Hochzählungen haben sie alleine in diesen Krieg schon etwa eine Millionen Schiffe verloren, was ihr ganzes Potenzial zeigt. Auch die Dak’ratur tun alles, um noch einmal ihre Macht und vergangene Dominanz zu zeigen. Zahlreiche Dienervölker haben versteckte Schiffe auf ihre eigenen Reiche umgemünzt und nun verliehen, um später einen besseren Platz in der versprochenen Konföderation der Dak’ratur zu bekommen (wer’s glaubt). Die Bak’tarar haben sich dazu etwas anderes einfallen lassen. Ihnen wurden nicht so viele Gebiete streitig gemacht wie den Dak’ratur, außerdem hatten sie sämtlichen Dienerspezies mit einer großen Auslöschungswelle gedroht. Im späteren Kriegsverlauf allerdings, als trotz der Drohungen viele Spezies in die Unabhängigkeit flohen, schwenkten sie um und pochten nun auf eine Art „Commonwealth“, also auch auf eine Konföderation. Die Dienerspezies ließen sich genau wie die der Dak’ratur um den Finger wickeln und bauten einige Dutzend Schiffe, besserten andere aus oder reaktivierten alte, ausgemusterte Schiffe für die letzte Schlacht. Zusammen kommen damit beide Imperien auf die Flottenstärke der Bak’tarar zu guten Zeiten, also knapp 10.000 Schiffe. Die Neurokia waren nicht länger in einen Kesselkampf verstrickt, sondern hatten nun genügend Schiffe frei, um einige sogar zu anderen Brandherden außerhalb ihres Gebietes zu schicken. Sie hatten alles, von einer kleinen Forschungsfregatte, bis hin zur Tierzucht-Station, mit Kanonen und extra Panzerung ausgestattet, genau wie die Quarianer. Damit hatten sie nun 130.000 bewaffnete Schiffe. Und das reichte gerade so aus. Aus der einst diplomatischen und friedlebenden Spezies ist durch den Vernichtungskrieg eine Spezies aus knallharten Verteidigern geworden, die mit ihren Astralkräften praktisch alles pulverisieren konnte. Selbst die Kräfte der stärksten Asari-Matriarchinnen waren nichts dagegen. Aber ob das reicht? Die Feret’asimer hatten sich derweil mit sämtlichen anderen Spezies zusammengeschlossen und differenzierten nur noch in einzelnen Befehlsstrukturen zwischen den Flottillen und Schiffen anderer Spezies, somit war ihre bunt zusammengewürfelte Flotte ein Sinnbild für die galaktische Allianz, wenn nicht sogar ein Großteil der galaktische Allianz. „Hoffentlich klappt das… Hoffentlich klappt das…“, flüsterte Phoenixclaw geschafft und warf das Tablet auf den Stapel. In dem Moment klopfte es an der Tür. „Herein.“, sprach sie nur aus Reflex. Silver kam etwas unsicher rein. „Findest du deine Idee von heute Morgen noch gut?“, fragte er verunsichert. „Ja, besonders nach dem, was ich gesehen habe. Vielleicht ist das das letzte Mal, das wir unbekümmert unsere traute Zweisamkeit genießen können.“, antwortete sie nur und stand auf. „Naja, Zweisamkeit ist relativ. Immerhin ist EVI immer und überall präsent.“ Phoenixclaw lächelte kurz und fragte: „EVI, kannst du meine Kabine in den Privat-Modus schalten?“ „Schon gemacht. Der Privat-Modus wird über Ihr Terminal wieder deaktiviert. Noch eine schöne Zeit zusammen.“, entgegnete EVI nur und zwinkerte, bevor ihr Hologramm verschwand. „Ich glaube, die hat schon schlimmeres als uns beide gesehen.“, kommentierte Silver nur den Auftritt. „Ah, wir werden sehen.“, flüsterte ihm Phoenixclaw nur ins Ohr und zog ihn mit. Der Abend war schön, der Schlaf auch. Er währte nur nicht lange. Phoenixclaw wachte in den Armen ihres Freundes auf und zog sich eine Hologrammuhr her. Obwohl es drei Uhr morgens war, hatte sie ein unglaubliches Bewegungsbedürfnis und konnte sich vorsichtig von Silver lösen. Sie streifte sich behelfsmäßig (da ihr eigentliches Oberteil nicht aufzutreiben war) das Oberteil von Silver und eine Hose über und ging leise runter um sich was zum trinken zu holen. Doch weit kam sie nicht. Sie trat gerade so aus den Fahrstuhl raus als sie bekannte Geräusche hörte. Das Pärchen, welches sich gestern vor dem Mittagessen verabredet hatte, trieb es gerade im Mannschaftscasino. Phoenixclaw riss sich zusammen, auch wenn ihre Autorität durch das andere, wegen der unpassenden Größe lose anliegenden Oberteil, etwas untergraben wurde; und ging zu den Turteltauben hin. Sie räusperte sich und bereute es sofort. Mit der Hand auf der richtigen Höhe und das Ansteigen des Peinlichkeitsfaktors spürend (sowie den Zusammenbruch der Manneskraft des Kerls sehend), meinte sie nur: „Also, ich habe grundsätzlich nichts gegen so was, aber bitte nicht hier. Für so etwas gibt es die Einzelkabinen im Zwischendeck. An den Tisch da wollen schließlich auch noch andere Leute essen.“ Der Offizier wurde knallrot und hielt sich schnell die Hände vor das Gemächt, die Frau schnappte sich das nächstbeste Oberteil und verzog sich mit ihrem Liebhaber so schnell wie möglich in Richtung der Mannschaftskabine zurück. Phoenixclaw war derweil alles vergangen, den Anblick hätte sie sich lieber erspart, worauf sie ohne Getränk wieder hochfuhr. So begab sie sich wieder in Silvers Umarmung und schlummerte ein. Erst drei Stunden später wachte sie, nach einen kleinen Traum auf. Silver saß auf der vorderen Couch und las einige Nachrichten auf einem der Glass-Tabs. „Du warst gut.“, meinte er, als er bemerkte, dass sie wach war. „Und ich habe bis heute nicht gewusst, dass diese Leiterbahnen wirklich deinen ganzen Körper überziehen.“ „Ja, dir auch einen schönen Morgen. Warum bist du halbnackt?“ „Naja, ich kann mich schlecht in dein Oberteil zwängen, anders als du. Ich war halb im Schlaf und hab mich zuerst über die Größe gewundert und dann über die Rangabzeichen. Wieso hast du meine Uniform an?“ „Mir war kalt…“, flüsterte sie nur und stand auf. „Ist irgendwas passiert?“ „Naja. Der Fleet-Admiral der galaktischen Allianz, welcher zufälligerweise auch der Fleet-Admiral der Star Alliance und die Astreus ist, hat mit mir gestern Abend geschlafen. Hat es dir auch so gefallen wie mir?“ „Oh ja. Das war wirklich schön. Leider ruft jetzt der unangenehme Teil.“ „Hm, ich weiß schon. Hackett hat deinen Zeitplan ins Wanken gebracht. Schau mal, vor gerade mal zehn Minuten eingetroffen:“, er reichte ihr das Tablet und ihr eigentliches Oberteil, sie gab ihm dafür seines zurück. „Scheiße… Shepard hat den Angriff auf Cerberus losgetreten. Die 5. ist bereits im Pferdekopfnebel und greift bald an. Dann hat der Dies Irae also angefangen.“, meinte sie nüchtern, wobei es ihr kalt den Rücken runter lief. Sie atmete tief durch. „Ok. Dann zieh ich nach. Ich kann mich doch auf dich verlassen, oder?“ Silver lächelte und salutierte. „Oh, ja. Und wie du das kannst.“, antwortete er nur und folgte ihr runter ins KIZ. „Dann zeigen wir es diesen Schweinehunden.“, sprach Phoenixclaw angriffslustig. Zeit bis zum allgemeinen Angriff auf die Reaper: 15 Minuten Ende von Kapitel XXXVII Kategorie:Fanon Kategorie:Phoenixclaw (fanon)
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