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| - Türkei – Zacharias Wissen ist unbezahlbar. Glatt rasiert und in westlicher Kleidung erkennt niemand den runderneuerten Bruder Zacharias, den bescheidenen koptischen Mönch... Seit meiner Flucht aus Ägypten, ermöglicht durch die Dollars, die ich Leyla gestohlen habe, der dummen, ignoranten Archäologiestudentin, die mich irgendwie doch hereingelegt hat, grüble ich nur. Blind vor Gier habe ich das Geld genommen und den viel wertvolleren Gegenstand liegen lassen. Wut nagt wie eine Ratte an meinem Inneren! Als mir klar wurde, dass das Objekt, das ich Hannibal bringen sollte, immer noch bei Leyla und ihrem amerikanischen Freund war, wusste ich, dass ich meinem Auftraggeber nicht unter die Augen kommen durfte, wenn ich am Leben bleiben wollte. Ich hatte versagt. Mir blieb nur noch die Flucht. Dann erfuhr ich aus den Medien von einem geheimnisvollen Diebstahl aus dem sichersten Ort in Kairo, dem Nationalmuseum. Hannibal hatte also das kostbare Stück Metall ohne meine Hilfe beschafft. Ich möchte wissen, warum dieser Mann, der schon alles hat, Geld, Macht und Ruhm, so besessen von diesem armseligen Metalldreieck mit den eingravierten Schriftzeichen ist. Wie es aussieht, weiß ich, denn Hannibal hat mir ein Foto eines ähnlichen Stücks geschickt, bevor er mir den Auftrag gab, es von Leyla zu holen. Jetzt habe ich das Gefühl, ich könnte Hannibals Respekt wiedergewinnen, wenn ich ihm eine entscheidende Information beschaffe, die ihm noch fehlt. Also suche ich jetzt diese Information... Als junger angehender Mönch lebte und studierte ich in vielen Klöstern in aller Welt. Nach vielen Jahren bin ich jetzt wieder in Anatolien, im Osten der Türkei. Die Wege vieler Völker haben sich hier gekreuzt: Semiten, Türken, Römer, Hethiter, Lyder, Griechen, Perser, Araber und so weiter. Die Perser nannten die Region Kappadokien, „das Land der schönen Pferde“. Es könnte fast eine Mondlandschaft sein, so übernatürlich sieht sie aus. Erinnerungen an meinen ersten Aufenthalt überfluten mich und fließen ineinander. Ein Tal voller vulkanischer Gesteinsformationen, Basalt- und Tuffkegel, die von Menschen ausgehöhlt und mit dem Spitznamen „Feenkamine“ belegt wurden. Der Hang des Felsberges, der sich mehr als 1000 Meter hoch über Göreme erhebt, eine lange, enge Schlucht zwischen zwei Steilwänden, dicht besetzt mit in den Fels gehauenen, bunt bemalten Häusern und Kirchen. Ich erinnere mich auch an eine riesige unterirdische Stadt und die Klaustrophobie, die mich dort befiel. Mit einem tiefen Atemzug will ich diesen Strudel der Erinnerung vertreiben und mich auf mein Ziel konzentrieren. Ich muss die Yüksek Kilise, die Hochgestellte Kirche, auf dem Berg erreichen, wo ich im Noviziat als Schreiber arbeitete... Über die ausgetretenen Stufen, die verfolgte christliche Eremiten im vierten Jahrhundert in den Fels schlugen, erreiche ich die natürliche Höhle in der steilen Bergflanke. Dieser Zufluchtsort war einst ein großes orthodoxes Kloster, bevor es für Gebäude im Flachland aufgegeben wurde, die leichter zu erreichen waren. Wo ist die Hartnäckigkeit der ersten Mönche hingekommen, die ein Refektorium und Lüftungsgänge in den Berg gemeißelt haben, dazu die Zellen für ihre ständig wachsende Gemeinschaft? Sie gruben auch Fluchtgänge, die sie im Fall eines Angriffs nutzen konnten. Sie schufen eine unglaubliche Bibliothek, indem sie Schrifttafeln und Schriftrollen sammelten und katalogisierten, die von Flüchtlingen mitgebracht wurden. Hier, in dieser vergessenen, abgelegenen Bibliothek, hoffe ich zu finden, was ich suche. Meine Hände zittern, als ich die Sicherheitssperre entferne, die den Eingang zur Höhle blockiert. Ich gehe durch die verlassenen Flure und höre nichts als das Echo meiner Schritte. Alles, was man als zu schwer oder nutzlos ansah, ließ man hier zurück. Ich erreiche die Bibliothek. An diesem Tisch aus Stein habe ich gesessen, mit einer Wachskerze als Beleuchtung, frustriert und entmutigt angesichts der Aufgabe, die vor mir lag. Um meinen Glauben und meine Selbstverleugnung zu prüfen, hatte man mir aufgetragen, die kleineren Schriften zu kopieren. Ich wusste nicht, was das bedeutete, was ich da schrieb, denn das ursprüngliche Pergament war im Lauf der Zeit zerfallen, und der Vorsteher bestand darauf, alle alten Schriften umfassend zu erhalten. Mit zusammengebissenen Zähnen kopierte ich die unverständlichen Worte, die mir nicht weit vom Wahnsinn entfernt zu sein schienen. Ein Grieche, der gegen Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus Soldat gewesen sein wollte, erzählte die unglaubhafte Geschichte von seiner Flucht über die Grenzen Indiens. Er sprach von einem Fluch, den seine geheime Mission über ihn gebracht hätte: Die Besessenheit vom Stern des Zeus zerstörte nach und nach seine Leber und seinen Verstand. In der Mitte des Pergaments befand sich eine Zeichnung, die ich kaum kopieren konnte, weil sie fast nicht mehr erkennbar war, als ob jemand das Pergament voll Wut abgekratzt hätte, um auszuradieren, was dort aufgezeichnet war. Die ganze Nacht arbeitete ich an der Kopie dieses alten Pergaments. Bei Tagesanbruch gab ich das Ergebnis meiner Arbeit dem Bruder Bibliothekar und erwartete eine gewisse Anerkennung. Er nickte geistesabwesend, rollte mein Pergament zusammen und archivierte es ganz unten in der Reihe von Nischen, bei den kleinen Schriften. Genau wie ich gehofft hatte, waren nur die Schriften der Heiligen und die sogenannten großen Schriften mitgenommen worden. Mein Herz beginnt zu rasen, als ich mich den Archiven nähere. Auf den Knien durchsuche ich fieberhaft die unteren Nischen, öffne all die unnötigen Kopien, die Novizen im Lauf vieler Jahre geschrieben haben, und werfe sie beiseite. Hier ist die richtige! Meine Kopie, noch intakt, die Tinte kaum verblasst. Das Blut pulsiert laut in meinen Schläfen, als ich die Zeichnung in der Mitte anstarre. Es ist ein Dreieck mit abgebrochener Basis, bedeckt mit griechischen Buchstaben und seltsamen Symbolen, sehr ähnlich dem Dreieck auf dem Foto, das Hannibal mir geschickt hat! Ich lache überschwänglich, als ich meine Kopie lese. Im letzten Satz steht, dass der Soldat das Eigentum des Zeus den Priestern des Zeus anvertraut habe. Menschen sind so schwach und ängstlich vor der Allmacht, die sie ihren Göttern zuschreiben... Und jetzt habe ich Macht über Hannibal, denn ich habe den Schlüssel zu einem weiteren Fragment des Sterns des Zeus! Wissen ist in der Tat unbezahlbar ...
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